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Die Kirchgemeinde Muri-Gümligen tritt als Fernwärme-Pionierin auf

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten der Kirche Muri, der Umnutzung des Pfarrhauses und der Inbetriebnahme der neuen Fernwärmeanschlüsse trafen sich Mitte November 2021 Vertreterinnen und Vertreter der Kirchgemeinde Muri-Gümligen und die gbm zu einem Gespräch. Die Kirchgemeinde tritt ­– als erste Bezügerin von Fernwärme – in Muri als Pionierin auf. Seitens der gbm wollte man in Erfahrung bringen, wie es dazu kam, wie sich der Evaluations- und Realisationsprozess gestaltete und welches erste Fazit die Kirchgemeinde zieht. Dazu nachfolgend einige Fragen und Antworten.


Teilnehmende v.l.n.r.: Herr Hanns Stauffer, Präsident Ressort Bau im Kirchgemeinderat, Susanne Pelozzi, Sigristin Kirche Muri, Katrin Hubschmid, Co-Präsidentin Kirchgemeinderat, René Calame, Leiter Energie + Wärme, gbm



Mit welchen Heizsystemen wurden die beiden Liegenschaften vor der Umstellung auf Fernwärme geheizt?

Die Kirche wurde elektrisch geheizt. Im Pfarrhaus wurden die Raumwärme und die Warmwasseraufbereitung mit einer Erdgasheizung erzeugt.



Was waren die Beweggründe der Kirchgemeinde, in den beiden Gebäuden ein neues Heizungssystem installieren zu lassen?

Die ersten Überlegungen betreffend Evaluation eines neuen Heizsystems für die Kirche liegen bereits vier bis fünf Jahre zurück. Mit der unter den Kirchenbänken installierten Elektroheizung konnte der Raum lediglich auf 17 bis 18° Celsius erwärmt werden. Die Raumtemperatur war meistens zu niedrig und die Temperaturregulierung zu träge. Der technische Dienst versuchte, dies mit einer neuen Steuerung zu verbessern. Die Situation blieb jedoch unbefriedigend. Im Pfarrhaus war im Grundsatz kein akutes Handeln notwendig. Die eingebaute Gasheizung leistete noch ihren Dienst. Jedoch bot sich mit der Gesamtsanierung der Kirche und der vorgelagerten Kirchenmauer sowie mit der Totalsanierung und Umnutzung des benachbarten Pfarrhauses für die Kirchgemeinde die Chance, beide Heizanlagen zu sanieren und dabei auf Fernwärme umzustellen.



Welche Anforderungen wurden an ein neues Wärmesystem gestellt und welches waren die wichtigsten Kriterien bei dieser Evaluation?

Die Installation einer Solaranlage auf dem Dach der Kirche Muri, um die Elektroheizung weiter betreiben zu können, war aus Gründen des Denkmalschutzes nicht bewilligungsfähig. Auch der Einsatz einer Erdsondenheizung wurde geprüft. Jedoch sind die dafür nötigen Bohrungen auf dem Grundstück der Kirche gesetzlich verboten. Zudem gehört das Umland der Kirche nicht der Kirchgemeinde, sondern der Gemeinde Muri b. Bern. Insofern kamen die gbm mit dem Fernwärmeangebot für die Kirchgemeinde gerade zum richtigen Zeitpunkt.



Waren aufgrund der Gebäudesituation oder örtlicher Gegebenheiten besondere Faktoren zu berücksichtigen?

Die Streckenführung der Fernwärmeleitungen, von der Kirche und vom Pfarrhaus her bis zur Heizzentrale im Schulhaus Horbern, war unter vier Gesichtspunkten eine grosse Herausforderung:

  1. Die Überwindung des grossen Terrainunterschieds von der Kirche bis auf Höhe der Kantonsstrasse (Thunstrasse).

  2. Die Umgehung der neu restaurierten Kirchenmauer mit den Fernwärmeleitungen.

  3. Die Koordinationsarbeiten mit dem Tiefbauamt des Kantons Bern, weil die Planung für die Sanierung der Kirchenmauer und der Kantonsstrasse bereits fortgeschritten war.

  4. Die Koordinationsarbeit mit dem Architekturbüro, da für die Sanierung des Pfarrhauses zuständig war. Bei dieser Liegenschaft galt es, eine drei Meter dicke Kellermauer zu durchdringen.


Inwiefern spielten Aspekte wie die Erderwärmung, die CO2-Problematik oder Nachhaltigkeit beim Entscheid für ein neues Wärmesystem eine Rolle?

Diese spielte eine sehr wichtige Rolle. Die Kirchgemeinde Muri-Gümligen wollte weg von fossil- und strombetriebenen Heizungslösungen. Zudem wird der Einstieg in das Umweltmanagementsystem «Grüner Güggel» angestrebt. Dieses basiert auf dem «Eco Management and Audit Scheme» (EMAS) der Europäischen Union. Dessen Ziel besteht darin, dass Institutionen eigenverantwortlich ihre direkten und indirekten Umweltauswirkungen bewältigen. Übersetzt bedeutet dies: die Bewahrung der Schöpfung. In der Schweiz sind per dato bereits 30 Kirchgemeinden dem «Grünen Güggel» angeschlossen. Hinsichtlich eines sorgsamen Umgangs mit den Ressourcen unserer Natur spielt eine unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllende Heizungsanlage eine wichtige Rolle.



Warum hat sich die Kirchgemeinde Muri-Gümligen letztlich für Fernwärme entschieden?

Im Zusammenhang mit der Sanierung der Kirche und der Kirchenmauer, der Umnutzung des Pfarrhauses und der sich ergebenden Möglichkeit eines Fernwärmeanschlusses war dafür der richtige Zeitpunkt. Man wollte eine saubere, nachhaltige und zukunftsgerichtete Gebäudesanierung, Wärmelösung und Warmwasseraufbereitung.



Wie beurteilen Sie die Fernwärmeversorgung in Bezug auf Handling, Betrieb und Komfort?

Der Betreuungsaufwand der neuen Fernwärmeheizungen in beiden Liegenschaften begrenzt sich für die Kirchgemeinde auf ein Minimum. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine intelligente Systemsteuerung. Im speziellen Fall kann in der Kirche die Wärmeregulierung via App gesteuert werden. Für eine abschliessende Beantwortung dieser Frage ist es noch etwas früh. Sowohl die Anlage in der Kirche als auch jene im Pfarrhaus wurde erst im Oktober in Betrieb genommen.



Wie beurteilen Sie die Fernwärmeversorgung bezüglich Wirtschaftlichkeit und Zukunftssicherheit? Würden Sie einen Anschluss an das Fernwärmenetz auch anderen Liegenschaftsbesitzerinnen und Besitzern empfehlen?

Die Kirchgemeinde zieht hinsichtlich des Nachhaltigkeitsgedanken ein positives Fazit. Zudem wird Fernwärme als wirtschaftliche Heizlösung beurteilt. Sie rechnet bei den Energiepreisen mit nicht mehr so grossen Preisschwankungen wie bei Erdgas und Strom.

Auch bei Fernwärme sind leichte Preisschwankungen möglich. Einerseits weil der Betrieb einer Heizzentrale mit Wärmepumpen Strom benötigt und andererseits, weil der Holzschnitzelpreis für die geplante Holzschnitzelheizung auch schwanken kann.


Die Kirchgemeinde Muri-Gümligen ist daran interessiert, zur gegebenen Zeit auch die Kirche in Gümligen an das Fernwärmenetz anzuschliessen.



Übrigens: Das sanierte Pfarrhaus ist einen Besuch wert!

Das Pfarrhaus im Gebiet Muri wurde von einer Pfarrwohnung zu einer rollstuhlgängigen Begegnungsstätte für die Bevölkerung umgebaut. Damit stehen den Bürgerinnen und Bürgern nun ein Bistro und Co-Working-Spaces, die gemietet werden können, zur Verfügung. Zudem wurde neu die Administration der Kirchgemeinde im Obergeschoss eingerichtet. Der sanierte, schöne und weitläufige Garten lädt im Sommer und Winter zum Verweilen ein. Das vielseitige Angebot wird rege genutzt und es konnten, trotz Covid-Auflagen, bereits viele Veranstaltungen stattfinden.



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